Grande Redingote á lŽAnglaise
Weniger formal, gar sportlich, aber von unvergleichlichem Stil und präziser, schlichter Eleganz - nicht zuletzt durch das feminine Spiel mit maskulinen Elementen - muteten Garderoben an, die eine Dame zum Reiten oder auf Reisen trug oder tragen konnte. Viele dieser Kleider orienterten sich am untrüglichen englischen Geschmack des zeitlosen Understatements. So folgt auch diese Garderobe einer englischen Vorlage: dem Bildnis von Mrs. Stevens, portraitiert vom Maler Francis Wheatley um 1790.
Trotz dieses zurückhaltenden Schicks und des gerade damit zur Schau getragenen modischen Feinsinns sollte Kleidung dieser Art in erster Linie einen praktischen Zweck erfüllen, und daher wenigstens annähernd widerstandsfähig sein. Daher bestehen Rock und Jacke aus Wolle, genauer gesagt aus feinstem, geschmeidgstem Tuch der Firma Hainsworth, und sind mit kalandertem Leinen unterfüttert. Wie im Jahr 1785 geschrieben wurde, waren "all dark colours (...) fashionable", liebte man also dunkle Farben, weswegen sich die Kundin ein sattes, dunkles Umbra wählte.
Die Weste wurde in cermefarbener Seide gehalten, letztere wurde eigens für diesen Auftrag gewebt. Ein höchst spielerisches Element ist die Verzierung des Hemdes mit plissierten Hemdfalten, sogenannten "ruffles", für die wir antiken Batist aus dem 18.Jahrhundert verwendet haben.
In vielen Einzelbestandteilen, die sich erst auf den zweiten oder dritten Blick erschließen, haben wir größten Wert auf eine detailbewusste Umsetzung gelegt. So wird das Hemd mit antiken Manschettenknöpfen geschlossen, zieren die Jacke hartvergoldete Abgüsse originaler 18. Jahrhundert-Knöpfe, wurde die Weste mit winzigen aus Perlmut bestehenden und mit Cutsteelblüten dekorierten Knöpfen besetzt. Auch die kleine Krawattennadel, die auf dem Gemälde zu sehen ist, haben wir aufgegriffen und mit einem Originalstück aus dem 18. Jahrhundert realisiert.
zu diesem Ensemble angefertigter Hut - siehe genauere Beschreibung