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In Frankreich brachte die Revolution 1789 einen so plötzlichen Modewandel mit sich, wie man ihn noch nie gesehen hatte. Während der frühen 90er Jahre, in der Zeit des des Großen Terrors war alles verpönt, was an die Mode des Adels im Ancien Régime erinnerte. Wer sich mit gepuderter Perücke sehen ließ, riskierte, daß diese gewaltsam entfernt wurde - manchmal auch mitsamt dem Kopf. Die markanteste Ausprägung des revolutionierenden Bürgertums waren die Sansculottes, was übersetzt "ohne Kniebundhose" heißt. Sie kleideten sich bewußt abgerissen im Arbeiter- und Bauernstil: kurze Jacken und lange Hosen, die vorher nur bei Matrosen gesehen worden waren. Dies war das erste Mal seit altgermanischer Zeit, daß lange Hosen getragen wurden. Auch die Holzschuhe waren der Tracht der untersten Klassen entlehnt; die rote Jakobinermütze der der Galeerensklaven. Die Frauen vom Schlag der Sansculottes kleideten sich entsprechend. Weniger revolutionäre Geister führten im Grunde die Entwicklungen der vorangegangenen Jahre fort: Englische Mode wurde noch stärker übernommen, was auch daran lag, daß die französischen Modezeitschriften, die vor allem dem Adel gedient hatten, nicht mehr erschienen, so daß man auf englische auswich. Als Sinnbild des 3. Standes (also des Bürgertums) galt zu dieser Zeit der einfache schwarze Tuchrock, der nun, gemäß der anbrechenden politischen Situation, sogar zum Ehrenkleid deklariert wurde. Er wurde zum wichtigsten Kleidungsstück der Männer, und wurde mit Schärpen, Kokarden und Schleifen in den Nationalfarben rot-weiß-blau verziert. Gerne trug man auch einen blauen Rock mit roten Aufschlägen über einer weißen Weste. Die Frauen glichen ihre Kleidung der der Männer an - zwar trugen sie noch immer bodenlange Röcke, aber am Oberkörper prangten Westen, Jacken mit Revers und die sehr beliebte Rédingote, ein Mantel mit doppeltem oder dreifachem Revers, der dem englischen riding-coat entlehnt war. Andere Länder, in denen weiter unangefochten die Monarchie herrschte, folgten diesen Entwicklungen natürlich nur zum Teil. Auch hier blieben die französischen Modejournale aus, auch hier erfolgte eine Hinwendung zur englischen Mode, aber der Übergang war bruchlos und fließend. |
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Nach einigen Jahren hatten die Franzosen genug von der Herrschaft der Guillotine. Sie hatten eine weitgehend demokratische Regierungsform entwickelt, an deren Spitze das Direktorium stand, und mit ihm begann die Ära des Directoire. Auf der Suche nach Vorbildern für neue demokratische Kultur wandte man sich der griechisch-römischen Antike zu und führte in der Kunst, Architektur und natürlich in der Mode Formen ein, die an antiken Vorbildern orientiert waren. In der Kleidung der Frauen spiegelte sich dies am stärksten wider: einfache, teils durchsichtige und ärmellose oder kurzärmelige Gewänder aus weißem Musselin, dem griechischen Chiton ähnlich, absatzlose, mit Bändern um die Waden geschnürte Schuhe und mit Bändern umwickelte Hochsteckfrisuren, wie man sie auf griechischen Vasen sah. Der Körper wurde von allen verformenden Hilfsmitteln, also v.a. Korsett und Reifrock oder Polstern, befreit. Das Decolleté wanderte bei den Mutigen so weit nach unten, daß um ein Haar der Busen herausfiel. Am auffallendsten aber ist die Verlegung der Taille gleich unter die Brust. Auch die Männer trugen die Taille hoch, indem der Hosenbund bis weit über den Bauch reichte. Die langen Röhrenhosen hatten sich doch noch nicht durchgesetzt; die Hosen waren eng und verschwanden in wadenhohen Stiefeln. Der hohe Hosenbund wurd noch dadurch betont, daß die Jacke vorn weggeschnitten wurde - ein Vorform des heutigen Fracks. Der hochstehende Kragen, der sich schon in den 1770ern herausgebildet hatte, reichte nun bis an die Ohren und wurde in seinem Bemühen, den Hals zu erwürgen, von einer übergroßen, hohen Krawatte fleißig unterstützt.
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Wenige Jahre später (1804) wiederum ließ sich ein (in zweierlei Hinsicht) kleiner korsischer Soldat der Revolutionsarmee zum Kaiser krönen. Damit wurde Frankreich zum Kaiserreich - zum Empire, das sich in Fortführung der klassischen Ideale am römischen Reich orientierte. In der Form blieb die Mode weitgehend unverändert: hohe Taillen bei Frauen und Männern. Aber die Qualität änderte sich von demokratisch-schlicht zu imperial-prunkhaft. Die leichten, hellen Stoffe wurden nach und nach durch schwere und steife in leuchtenden Farben ersetzt. Samt und reiche Stickerei kamen wieder in Mode. Ab etwa 1820 wurden die Gewänder steifer, der Übergang zum Biedermeier bahnte sich an. Die Röcke der Damen wurden etwas kürzer und entwickelten sich zu einer kegeligen A-Silhouette, die Halsausschnitte wanderten immer höher Hinauf. Auch an den Armen hatte die Freizügigkeit ein Ende: Die Ärmel reichten nun bis zum Handgelenk; oben wurden sie immer weiter. Die Kragen der Männer wurden entsprechend immer steifer und höher. In Deutschland nannte man sie deshalb zurecht Vatermörder. Als neue Subkultur entwickelten sich v.a. in England die Dandies, die ihren Stolz darein setzten, besonders makellos gekleidet zu sein: Nur die feinsten Stoffe (dunkle Tuche), von den besten Schneidern zu perfektem Sitz verarbeitet, blütenweiße Hemden, elegant-zurückhaltende Accessoires. In dieser Zeit kam auch der aus Amerika importierte Zylinder auf - schon wieder eine Hommage an die Steifheit. |
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