Kontakt Impressum

Druckbare Version

Renaissance


Der Begriff "Renaissance" steht, aufgrund seiner wörtlichen Bedeutung "Wiedergeburt", für eine komplette Umkehrung des Bisherigen. Die Zeit der Renaissance war geprägt von dem Geist des Neuanfangs. Antike Ideale, Bildung, Wissenschaft und die schönen Künste sollten das "finstere Mittelalter" verbannen. In den durch Fernhandel reich und mächtig gewordenen Stadtstaaten Italiens, zwischen den steinernen Zeugnissen der griechischen und römischen Antike, setzte dieser Neuanfang zuerst ein. Während im Norden Europas noch die Spätgotik herrschte, schuf Michelangelo schon Werke, die mit dem Mittelalter nichts mehr zu tun haben. Die Italienische Frührenaissance beginnt bereits Ende des 14. Jh.
Italien hatte zu dieser Zeit das absolute Stoffmonopol inne, hatte durch die Handelsbeziehungen zum Orient Zugang zu Seide und Stoffen bisher ungekannter Feinheit der Verarbeitung. Man trug Gold- und Silberbrokat, Samt und Seide, Stickereien, Pelze und vor allem Stoffe mir eingewebten Mustern (wobei sich das Granatapfel- und diverse Blumenvasenmuster der größten Beliebtheit erfreuten). Auch wurde das Farbdiktat des Mittelalters nahezu aufgehoben. Jeder kleidete sich in den Farben seiner Wahl. Somit wurde persönlicher Geschmack und Vielfalt wichtiger als Einheitlichkeit. Was dabei natürlich nicht vergessen werden darf, ist, daß dies nur für Adlige und reiche Kaufleute galt.
Auch in Schnitt und Tragweise wies die Mode der Renaissance neue Erscheinungsformen auf. In Anlehnung an die burgundische Mode trug der Mann zwar noch Strümpfe (wobei diese sich aber immer mehr zu Strumpfhosen, sog. "Trikothosen" entwickelten), darüber ein geschnürtes Wams und einen weiten Umhang, die sogenannte "Zimarra", allerdings gewann nun die Hutmode auch bei Männern immer mehr an Bedeutung.
Auch für Frauen brach in der Mode eine neue Ära an. Kleidung wurde sehr viel freizügiger, man durfte nicht nur seine Arme und Ohren wieder zeigen, vielmehr war es sogar erlaubt, ein tiefer ausgeschnittenes Dekolleté zu tragen. Auch die Hauben fielen weg, Haare wurden kunstvoll frisiert, oder eine hohe Stirn gezupft. Auch war es modern, sich die Haare zu bleichen. Schminken, eine absolute Neuheit, wurde in der Renaissance zur Selbstverständlichkeit. Auch bei Frauen wurden die Stoffe schwerer, die Schleppen und Ärmel kürzer.

In Nordeuropa beginnt die Renaissance mit der Zeit Dürers, gegen 1500. Besonders typisch für diese Zeit ist die "Landsknechtmode". Sie wurde in und um Deutschland von Söldnern erfunden, die einserseits als rechte Gecken mit der Mode gehen wollten, denen aber andererseits die modische Kleidung für den Alltag zu eng war. Also schlitzten sie ihre Kleider an den Gelenken auf. Dieser "zerhauene" Stil wurde von allen Bevölkerungsschichten und in fast ganz Europa mit Begeisterung aufgenommen und wirkte jahrzehntelang nach.

Zur gleichen Zeit, also etwa 1500-1550, hatte die italienische Hochrenaissance wiederum einen ganz eigenen Stil. Männer trugen zum ersten Mal nicht nur lange Oberkleider über Strumpfhosen, sondern regelrechte Hosen zu Strümpfen. Man trug auch Bärte und Hüte, wobei das Barrett die beliebteste Hutform war. Die italienische Renaissance endete mit dem Niedergang des Orienthandels im 16. Jahrhundert, der den Monopolverlust und somit das Aus der Vormachtstellung Italiens sowohl im ökonomischen Sinn als auch in Modefragen bedeutete.

Gegen Ende des Jahrhunderts wurde eine andere Nation federführend in Sachen Kleidung: Spanien war durch die geraubten Schätze der Neuen Welt zu einer blühenden und einflußreichen Kolonialmacht aufgestiegen. Die fast schon sprichwörtliche Berühmtheit der spanischen Hofmode rührt aber nicht daher, sondern aus dem Umstand, daß Spanien das Zentrum der katholischen Frömmigkeit darstellte. Man trug fast ausschließlich schwarz, dazu gesteifte Halskrausen. Männer- wie Frauenmode war steif, ausgestopft und hochgeschlossen.
Die Strumpfhosen der Männer waren so eng geworden, daß sie die Familienplanung gefährdeten – so wurde die Schamkapsel eingeführt, die in schamlos zwischen den ballonförmig ausgestopften, kurzen Hosenbeinen hervorragte. Das Wams hatte glatte Ärmel mit Schulterwülsten und -klappen, war oft mit Fischbein versteift und saß sehr eng. Die Damen negierten jegliche weibliche Rundung - auch die des Dekolletés - und strebten eine Doppelkegel-Silhouette an. Dazu brauchten sie die Unterstützung von Korsetts und eines kegelförmigen Reifrocks, Verdugado genannt. Dies ist das erste mal in der Geschichte der Mode, daß der Körper durch versteifende Einlagen ernstlich geformt wurde.

Die spanische Mode beeinflußte auch die anderen Königshöfe in Europa bis weit ins 17. Jahrhundert hinein. Zu zeremoniellen Anlässen gehörte sie einfach dazu. In Frankreich und England entwickelten sich Sonderformen mit tiefem Ausschnitt und dem französischen "Vertugadin", einem waagerecht von der Taille abstehenden Reifrock, von dem der Rock senkrecht herabfiel "als ob man in einer Öltonne steht".